Die japanische Natur hat viel zu bieten. Von Hokkaido im Norden bis Okinawa im Süden kann man nahezu sämtliche Klimazonen durchwandern. Die Vielzahl aktiver Vulkane sorgt für spektakuläre Landschaften und eine vielfältige Flora und Fauna.

Als wäre das alles nicht schon genug, sind in Japan auch die vier Jahreszeiten etwas ganz Besonderes. Shintoismus, die am weitesten verbreitete Religion in Japan neben Buddhismus, verortet eine Vielzahl von Gottheiten in der Natur. Sie wohnen in uralten Bäumen, Felsen, Wasserfällen und unzähligen anderen Orten. Deshalb haben die Natur und damit auch die Jahreszeiten seit jeher eine besondere Bedeutung für die Japaner (was sich leider nicht in gesteigerter Bereitschaft zum Naturschutz niederschlägt). In vielen Restaurants wird zum Beispiel das Essen der Jahreszeit entsprechend dekoriert. Herbstlaub aus Karotten, Kirschblüten usw. zieren Speisen oft auch auf entsprechend gestaltetem Geschirr. Kimono haben häufig der Jahreszeit entsprechende Motive. Außerdem hat natürlich jede Zeit entsprechende Feste, die oft auf die kontemplative Betrachtung der saisonalen Besonderheit ausgerichtet sind.


 

Die japanische Kirschblüte gehört zu den beeindruckensten Naturereignissen in Japan (Foto: Erik Körner www.mugira.de)
Die japanische Kirschblüte gehört zu den beeindruckensten Naturereignissen in Japan (Foto: Erik Körner)

Der Frühling

Mit durchschnittlich 14 Grad ist der japanische Frühling von März bis Mai eine angenehme Zeit. Die Sensation in dieser Jahreszeit ist natürlich die Pfirsich- und Kirschblüte. Sie wandert von Ende März bis Ende April von Süden nach Norden und ist für die Japaner ein derart bedeutsames Ereignis, dass neben der Wettervorhersage in Funk- und Fernsehen auch die Kirschblüten-Vorhersage stattfindet.

In diesem Zeitraum sind die japanischen Parks voller Menschen auf blauen Plastikplanen, die essen, viel trinken und dabei die Blüten bewundern. Das nennt sich Hanami (Blütenschau) und ist ein Ereignis, das man nicht nur privat begeht, sondern auch mit der Firma. Beliebte Plätze sind derart überlaufen, dass viele schon lange zuvor versuchen ihren Platz mit einer Plane zu reservieren.

Doch was ist das Besondere an der Kirschblüte? Die japanische Kirsche hat unzählige sehr kleine blassrosa Blütenblätter. Ein Kirschbaum in voller Blüte sieht von etwas weiter weg aus, als wäre er aus Watte. In allen Städten und Dörfern des Landes sind diese Bäume in großer Zahl sehr dekorativ angepflanzt. Zur Blütezeit zieht sich so ein rosafarbenes Meer durch die sonst so gesichtslosen japanischen Städte. Die Bäume blühen etwa zehn Tage lang. Dann fallen die Blütenblätter nach und nach wie Regen von den Zweigen. Wer einmal bei einem leichten Windstoß in einer Allee aus blühenden Kirschbäumen gestanden hat, vergisst das nicht so schnell. In Japan steht die Kirschblüte für Schönheit und aufgrund ihrer kurzen Blütezeit auch für Vergänglichkeit. Jeder der irgendwie die Möglichkeit hat dieses Schauspiel zu sehen, sollte das unbedingt tun.


 

Der japanische Sommer ist unangenehm heiß und feucht (Foto: Erik Körner www.mugira.de)
Der japanische Sommer ist unangenehm heiß und feucht (Foto: Erik Körner)

Sommer

Der Sommer ist eine harte Zeit in Japan. Zwar sind die durchschnittlichen Tagestemperaturen im Hochsommer meist um die 30 Grad, aber aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit ist die Hitze weitaus unangenehmer als in Deutschland. Erschwerend kommt hinzu, dass es auch Nachts durchgängig bis zu 25 Grad haben kann. Für Ausländer ist in diesem Zusammenhang besonders der Temperaturunterschied zwischen klimatisierten Geschäften und Außenbereichen eine Qual. Die Klimaanlagen heizen die Städte noch weiter auf und sobald man ein Geschäft betritt, hat man häufig das Gefühl gegen eine Wand zu laufen, weil die Innenräume derart stark heruntergekühlt werden.

Doch nicht nur die Hitze macht einem in dieser Zeit zu schaffen. Im Frühsommer beginnt die Taifun-saison. Die meisten Taifune erreichen Japan im September. Nicht nur der teils heftige Wind, sondern auch der hohe Niederschlag in sehr kurzer Zeit richtet leider nicht selten große Zerstörung an. Besonders unerfreulich ist auch die Regenzeit Ende Juni und Anfang Juli. Nicht nur nimmt dann die Luftfeuchtigkeit noch weiter zu, es regnet auch quasi durchgehend.

Doch es gibt auch schöne Dinge im Sommer. Zum Beispiel Hanabi. Das sind große Feuerwerke, die im Sommer überall in Japan stattfinden. Das hat regelrechten Volksfestcharakter: Ganze Straßenzüge werden gesperrt und bei manchen dieser Großereignisse verkehren sogar Sonderzüge, um der Menschenmassen Herr zu werden. Die Feuerwerke dauern manchmal bis zu einer Stunde lang und sind technisch extrem raffiniert. Viele Japaner tragen zu dieser Gelegenheit Yukata, leichte Sommerkimonos. Diese ziehen sie auch zu den Omatsuri an. Das sind Feste mit vielen kleinen Ständen, die natürlich Essen verkaufen, aber auch verschiedene Spiele, wie Zielschießen oder Goldfische fangen, anbieten. Oft gibt es zu diesen Anlässen auch traditionelle Tänze oder Trommelaufführungen (Taiko). Grund für diese Veranstaltungen sind zum Beispiel Jubiläen von Tempeln oder andere religiöse Feste wie z.B. Obon.

Außerdem fahren natürlich viele Japaner ans Meer. Das gibt es schließlich überall in unmittelbarer Nähe. Dort macht man zum größten Teil das gleiche wie in anderen Ländern. Erwähnenswert finde ich hier jedoch eine witzige Variante des deutschen Topfschlagens: Ein Spieler mit verbundenen Augen und einem Stock versucht am Strand eine Wassermelone zu treffen. Die wird dann anschließend gegessen. Interessantes Detail am Rande: Japaner essen Wassermelonen häufig mit Salz…


 

Der japanische Ahorn leuchtet im Sommer feuerrot (Foto: Erik Körner)
Der japanische Ahorn leuchtet im Herbst feuerrot (Foto: Erik Körner)

Herbst

Nach der Hitze kommt der Herbst mit seinem gemäßigten Wetter wie ein Befreiungsschlag. Deshalb ist diese Jahreszeit die Zeit des Essens, Lernens und des Sports. Im Herbst häufen sich daher die Sportfeste an japanischen Schulen. Aber neben den angenehmeren Temperaturen hat er auch viel fürs Auge zu bieten: Koyo! Das ist der japanische Name für die Herbstfärbung. Obwohl auch wir dieses Phänomen aus Deutschland kennen, kann man den Anblick kaum vergleichen. Besonders der japanische Ahorn (Momiji) und der Gingkobaum leuchten geradezu grell rot, beziehungsweise gelb. Zusammen mit der restlichen japanischen Fauna ergibt das besonders auf Bergen ein regelrechtes Patchwork verschiedenster Rot- und Gelbtöne. Natürlich werden die entsprechenden Baumarten auch immer gezielt in der Nähe von Sehenswürdigkeiten gepflanzt. So hat man einen zusätzlichen Grund z.B. den Kiyomizudera in Kyoto im herbst zu besuchen, weil alle umliegenden Hügel feuerrot leuchten und sich so ein noch beeindruckenderes Bild als gewöhnlich bietet.

Ein besonderer Brauch in dieser Jahreszeit ist Tsukimi. Angeblich ist der Vollmond in der Mitte des Herbsts am schönsten. Deshalb essen die Japaner Dango, süße Reisklöße, und betrachten dabei den Mond.


 

Im Großteil Japans schneit es nur selten.
Im Großteil Japans schneit es nur selten.

Winter

Der Winter ist zwar die kälteste Jahreszeit in Japan, aber wesentlich gemäßigter als in Deutschland. Die einzige Region, die richtig kalt wird (bis zu -20 Grad) ist Hokkaido, wo auch viel Schnee fällt. Im Rest Japans gibt es nur selten Minusgrade.

Trotzdem fühlt es sich unfassbar viel kälter an. Der Grund ist einfach: Es gibt nur wenige Gelegenheiten, sich richtig aufzuwärmen. Um Erdbeben standhalten zu können sind japanische Häuser sehr flexibel und dünn gebaut. Daher sind sie auch schlecht isoliert und kühlen sehr schnell aus. Außerdem gibt es keine Zentralheizung. Geheizt wird mit Klimaanlage, Gasöfchen, Kotatsu (ein beheizbarer Tisch mit Decke) und Heizdecken. Bewegt man sich von diesen Wärmequellen auch nur ein bischen zu weit weg, ist der Unterschied zwischen drinnen und draußen nicht mehr so groß. Das macht den nächtlichen Klogang zum Survivaltrip und das Verlassen des Bettes am Morgen zur Qual.

Im Winter findet mit Oshogatsu (Neujahr) das wichtigste japanische Familienfest statt. Das Ganze erinnert ein wenig an unser Weihnachten: Die Familie kommt zusammen, isst und trinkt, es wird ferngesehen und geht insgesamt sehr beschaulich zu. Feuerwerk gibt es dagegen nicht. Da es zu Oshogatsu noch viel mehr zu sagen gibt und ich mich von der Jahreszeiten Thematik nicht zu weit entfernen will, vertage ich genauere Erläuterungen auf einen späteren Artikel.

Abschließend noch ein paar Worte zu Weihnachten in Japan. Dieses Fest wurde aus dem Ausland importiert und ist nicht wirklich in der japanischen Kultur verhaftet. Dort ist es ein Fest für Paare mit allerlei ulkigen Eigenheiten, wie zum Beispiel dem traditionellen Weihnachtshähnchen von KFC. Aber auch das hebe ich mir für einen ausführlichen Bericht an anderer Stelle auf.

Bleibt nur noch zu sagen, dass man die Jahreszeiten in Japan wesentlich deutlicher wahrnimmt und bewusster erlebt als bei uns. Ich habe lediglich an der Oberfläche gekratzt, denn es gibt unzählige regionale Besonderheiten und Bräuche zu entdecken. Mein persönlicher Favorit ist der Herbst, denn in dieser Zeit ist das Wetter durchgehend angenehm und trotzdem sehr sonnig. Und die Herbstfärbung ist wirklich spektakulär.

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