Es ist 5:44 Uhr in Japan und die komplette Meister der Roll-Besetzung bewegt sich mit gut 1000 km/h 11311 m über der Mongolei.

Gegen acht Uhr werden wir in Osaka landen und knappe drei Wochen lang Verwandte und Freunde besuchen, Reisen, viiiiel essen, Karaoke singen, Geld ausgeben und viel mehr.

Nach Japan reisen ist jedes Mal aufs Neue ein Erlebnis. Vom Erwerb der Flugtickets bis zum Einsteigen in den Flieger kann ich stets kaum glauben, dass ich wirklich in mein Lieblingsland reisen werde. Das liegt unter Anderem daran, dass man die Tickets möglichst lange vor Abflug kauft, um einen vernünftigen Preis zu bekommen. Wir haben sie dieses Mal bereits im November letzten Jahres erstanden, was die Abreise vier Monate später zunächst ziemlich unwirklich erscheinen lässt.

Nähert sich dann der Termin, nimmt auch der Alltag plötzlich Fahrt auf. Auf einmal gibt es unsagbar dringende Projekte in der Arbeit, die natürlich alle noch vor der Abreise erledigt werden müssen. Auch im Privatleben finden zu den ungünstigsten Zeitpunkten noch dramatische Ereignisse statt, die den Aufbruch emotional erschweren. Kurz vor Abflug werde ich auch gerne mal krank, was den Flug zwar unangenehmer macht, mich aber noch nie vom Aufbruch abgehalten hat. Und zu guter Letzt sind da noch die ganz normalen Reisevorbereitungen: Mitbringsel besorgen, Hotels organisieren, Reiseziele festlegen, Gepäck packen und wiegen…

Ist dieser Berg an zugegebenermaßen teils auch schöner Aufgaben endlich erledigt und ich sitze im Flugzeug, realisiere ich dann endlich, dass es wirklich nach Japan geht. Und das ist jedes Mal ein unschlagbares Gefühl.


 

Chicken Seats

Wirklich angekommen ist man dann allerdings noch lange nicht. Denn bevor man endlich japanischen Boden betritt, wartet noch der Langstreckenflug.

Die erste Hürde ist das Erreichen des Anschlussfluges am Drehkreuz-Flughafen. Wir fliegen diesmal mit der Lufthansa, also geht es zunächst nach Frankfurt. Natürlich hat unser Zubringer-Flieger Verspätung und das Umsteigen wird zum Sport. Damit nicht genug: Die von mir normalerweise belächelten Laufbänder im ellenlangen Z-Bereich von Terminal eins sind natürlich ausgerechnet heute außer Betrieb, was uns einen ausgedehnten Sprint zum Gate beschert.

Als wir endlich angekommen sind ist das Boarding schon fast vorbei und die sehnsüchtig erwartete Toilettenpause unmöglich. Das bedeutet 30-40 min verkneifen. Denn solange dauert es jetzt ungefähr, bis die Boeing ordnungsgemäß besetzt und gestartet ist und die maximale Flughöhe erreicht hat.

Jetzt beginnen knapp zehn Stunden Flugzeit auf den berüchtigten Chicken Seats: Der verfügbare Raum pro Passagier in der Economy -Class ist vergleichbar mit dem eines Huhns auf der Stange. Weil das nach spätestens 4 Stunden ziemlich unbequem werden kann, sind ab da die erstaunlichsten Sitztechniken zu beobachten. Ich kann große Zeiträume mit der „schwebenden Kompaktfaltung“ überbrücken. Dabei lässt man sich so tief in den Sitz sinken, dass der Po kaum mehr Kontakt zur Sitzfläche hat, zieht die Beine an den Körper und stabilisiert die Haltung mit den Füßen an der Lehne des Vordermanns.

Besonders Japaner machen auf solchen Flügen auch gerne Dehn- und Streckübungen auf dem Gang nahe den Toiletten. Wird das Flugzeug nachts abgedunkelt, kann man sich beim Besuch des stillen Örtchens schon mal eine unabsichtliche Ohrfeige bei einem dieser Turner einfangen.

Ist der Körper dann ausreichend steif, der Kreislauf am Boden und der obligatorische Film in Briefmarkengröße zu Ende, kommt endlich das größte Abenteuer: Die Suche nach Schlaf. Die schwierigste Hürde ist das Jetlag. Auch wenn es draußen schon dunkel ist, ist es in Deutschland immer noch 16:00 Uhr. Da hilft auch das Wissen nicht, dass in Japan schon die Geisterstunde anbricht.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass man sich unbedingt schlaflos durch den ersten Tag in Japan kämpfen sollte, wenn man sich schnell an die veränderte Zeitzone anpassen möchte. Je weniger Schlaf man für dieses Unterfangen im Flugzeug vortanken kann, desto anstrengender wird es. Haruka und ich kommen diesmal auf etwa drei Stunden, also erwartet uns ein langer Tag…

Aber genug von all den Flugzeug -Geschichten. Haruka kehrt heute zum ersten Mal nach sieben Monaten in ihr Heimatland zurück. Hierzu ihr Kommentar: Ich möchte Udon essen. Noch etwa vierzig Minuten, dann machen wir das.

One thought on “Meister der Roll in Japan

  1. Guten Appetit!

    Ach, Erinnerungen… unser längster Tag, Ende 2012… die Yamanote-sen ist aber auch so urgemütlich, da braucht man noch nicht mal unbedingt so einen Flug hinter sich, um im Stehen einzuschlafen! ; )

    Und ja, das mit dem Krankwerden kurz vorher ist typisch, vor Reisen, vor Prüfungen… o daiji ni, aber schnell!

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