Unsere Reise startet diesmal in Osaka. Das ist nach Tokyo und Yokohama die drittgrößte Stadt Japans nach Einwohnern. Allerdings verteilen sich diese auf weit weniger Fläche als in den anderen Metropolen, weshalb es gerade in den Zentren um Namba und Umeda im Gedränge anstrengend werden kann.

Eine Japanreise startet man aufgrund der Lage der internationalen Flughäfen meist in Tokyo oder Osaka, was den Einstieg nicht gerade erleichtert. Je näher man dem Zentrum kommt, desto mehr wird man von den Menschenmassen, den Neonlichtern und dem allgegenwärtigen Lärm erschlagen. Jeder Japaner hat ein Ziel und nur wenig Zeit, um es zu erreichen. Während also überall um mich herum Menschen eilig von A nach B hasten und dabei auch im größten Gedränge geschickt aneinander vorbei navigieren, stolpere ich wie ein Fremdkörper durch die Massen. Oft möchte ich verweilen und mich umsehen, Fotos machen oder mich orientieren, aber besonders an Tag 1 bin ich noch zu sehr Störfaktor.

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Meine Erschöpfung wird jedoch immer wieder durch kleine und große Momente absoluter Euphorie unterbrochen: Der erste Besuch im Konbini versorgt mich mit meinem ersten Onigiri mit Lachs und meiner ersten Flasche kaltem grünen Tee seit über einem Jahr. Im Elektro-Kaufhaus Big Kamera in Namba schlendere ich vorbei an der weltweit größten Auswahl an PS-Vita Spielen und Amiibos für 8 Euro. In der Buchhandlung Junkudo stehe ich in einer Mangaabteilung, die ein komplettes Stockwerk einnimmt. Dies ist mein fünfter Besuch in Japan und noch immer kann ich mich wie ein kleines Kind über diese Dinge freuen. Mit jedem weiteren nostalgischen Erlebnis füge ich mich problemloser in den nicht enden wollenden Strom aus eilenden Menschen. Und obwohl ich auch jetzt an Tag 3 mein Jetlag noch nicht überwunden habe, ist mir eins endlich klar geworden: Ich bin in Japan und das ist großartig!


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Glicoman und Colonel Sanders

Doch kommen wir endlich zu Osaka: Zusammen mit Kyoto und Kobe bildet die Stadt eine Metropolregion, die eine Art Gegengewicht zu Tokyo darstellt. Ähnlich wie Ossis und Wessis in Deutschland begegnen sich auch die Japaner aus Ost und West mit allerlei Vorurteilen. Neben geschichtlichen Hintergründen liegt das vor allem an der unterschiedlichen Mentalität: Im Gegensatz zu den ruhigen und manchmal auch verschlossenen Menschen aus Tokyo und Kanto, sind die Leute aus Osaka und Kansai offener und extrovertierter.

Der hiesige Dialekt wird von vielen Japanern als witzig empfunden und Osaka ist das Zentrum der japanischen Comedy. Bei Yoshimoto in Namba treten täglich Comedians auf, die in ganz Japan berühmt sind und regelmäßige Gäste der zahlreichen Varietyshows im nationalen TV sind.

Auch am Stadtbild von Osaka kann man die extrovertierten Charakterzüge der Einheimischen deutlich sehen. Alle Geschäfte und Restaurants, besonders um das touristenreiche Namba, sind unglaublich auffällig mit riesigen Dekorationen und Leuchtreklame versehen. Das Budget-Kaufhaus Don Kihote am Doutonbori-Kanal ziert das riesenhafte Konterfei von Ebisu, einem der sieben chinesischen Glücksgötter. Kanidouraku, ein berühmtes Restaurant für Krebsfleisch, ist mit einem gigantischen beweglichen Riesenkrebs geschmückt. Die Leuchtreklame des Glicoman, das Maskottchen des Süßwarenherstellers Glico (auch in Deutschland vertreten durch die von de Beukeler vertriebenen Mikado), kennt jeder Japaner. Der Trommler Kuidaore Taro mit dicken Brillengläsern, Bommelmütze und gestreiftem Overall war einst das Maskottchen eines Restaurants und ist bei den Leuten aus Osaka und Touristen derart beliebt, dass er trotz dem Ende des Restaurants noch immer in Namba steht. Osaka ist bunt, schrill und atemberaubend.


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Hanshin Tigers

Was für die Deutschen Fussball ist, ist für Japaner Baseball. Die Mannschaft aus Osaka heißt Hanshin Tigers und hat ganz besonders leidenschaftliche Fans, die bei einem Meisterschaftssieg regelmäßig ausrasten. Auf dem Doutonbori-Kanal fahren kleine Schiffe durch die Innenstadt. Der Kanak ist unglaublich verdreckt, aber das hält Tigers-Fans nicht davon ab bei einem Sieg in Massen hinein zu springen und sich dabei teils schlimm zu verletzen.

Die Euphorie geht sogar noch weiter: Im Freudentaumel landet auch der arme Kuidaore Taro im Brackwasser. Eine Statue von Colonel Sanders von KFC hat es durch ein unfreiwilliges Bad im Doutonbori ebenfalls zu nationaler Berühmtheit gebracht.


Meister der Roll in Osaka

Wir waren diesmal allerdings eher abseits der touristischen Pfade unterwegs: Bei ihrem ersten Besuch in ihrer ehemaligen Universitätsstadt seit über einem halben Jahr wollte Haruka in erster Linie ehemalige Kommilitonen wiedersehen und lange vermisste Gerichte essen. Das haben wir auch getan und während ich diese Zeilen schreibe haben wir Osaka schon wieder verlassen und fahren mit dem Thunderbird Richtung Kanazawa, der nächsten Etappe unserer Reise.

2 thoughts on “Osaka 24. – 25. 2. 2016

  1. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft an die „Streit“-Gespräche zwischen der Kantou- und der Kansai-Fraktion unter uns Austausschstudenten, darüber also, ob denn nun Tokyo oder Osaka „besser“ wäre… dumm nur, dass ich tatsächlich erst sehr spät meinen ersten Osaka-Besuch antrat, ich konnte also gar nicht mitstreiten! ; )

    Ein herzhaftes und überraschend lautstarkes Gezanke zwischen zwei auf Kundschaft wartenden Taxifahrern waren mein erster Eindruck Osakas, während ich an einer Fußgängerampel wartete, und passend dazu der Kommentar eines neben mir wartenden Pärchens: „Ja, wir sind wieder zurück in Osaka…“ alles klar! Witzig dabei war aber vor allem, dass sich die beiden nach wie vor in den Haaren hatten, als ich ’ne halbe Stunde später nochmal an der Ampel stand…

    Osaka ist bunter als Tokyo, die Menschen erscheinen schroffer und gleichzeitig „herzlicher“ als in der Hauptstadt, aber ich könnte mich auch heute beim besten Willen nicht entscheiden, wo es „besser“ wäre.
    Auf dem Land, womöglich : )

    1. Stimmt, besser gibt’s vermutlich nicht. Und sehr herzlich wird man überall aufgenommen. Aus persönlichen Gründen bevorzuge ich aktuell aber Kansai… 😉

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