Kanazawa liegt zwischen der Küste des japanischen Meeres und dem Haku-Gebirge in der Präfektur Ishikawa. Damit ist die Stadt Bestandteil des in Japan als Yukiguni (Schneeland) bekannten Gebietes, das sich entlang der Nordküste der größten japanischen Hauptinsel Honshuu erstreckt.

Den Namen verdankt die Region ihren niedrigeren Temperaturen und den häufigen Schneefällen, die uns am ersten Tag als pappiger Schneeregen heimsuchten. Die Anreise mit dem Zug führt vom kalten aber sonnigen Osaka weiter nach Kyoto und schließlich vorbei am Biwako, dem größten japanischen See. Danach wird die Landschaft immer hügeliger, bis man schließlich durch Gebirge fährt. Irgendwann passiert man einen langen Tunnel, an dessen Ende die Sonne plötzlich verschwunden ist. Stattdessen ist die Landschaft auf der anderen Seite schneeweiß und was wir zunächst für Nebel halten, entpuppt sich als regelrechter Schneesturm. In Kanazawa ist das Wetter milder. Dafür fällt Schnee beständig den Aggregatszustand wechselnd vom Himmel.

CIMG1415

Seit letztem Jahr gibt es mit dem Hokuriku-Shinkansen eine schnelle Verbindung zwischen Tokyo und den Städten Yukigunis. Waren zuvor äußerst verschlungene Wege mit zahlreichen Zugwechseln und enormer Fahrzeit nötig, kommen die Tokyoter jetzt in zwei Stunden nach Kanazawa. Das hat den Tourismus stark angekurbelt, denn die Stadt hat ohnehin viel zu bieten.


 

CIMG1382

Schloß Kanazawa

Unser erstes Ziel ist das Schloß Kanazawa. Das eindrucksvolle Bauwerk gehörte Toshiie Maeda, dem Paten des Sohns von Toyotomi Hideyoshi und ist bereits zwei mal abgebrannt. Große Teile sind heute bereits wiederhergestellt und weitere Gebäudeteile sollen in den nächsten Jahren folgen.


 

CIMG1399

Kenrokuen

Noch schöner als das Schloß ist jedoch der äußere Garten mit dem Namen Kenrokuen. Er misst etwa 10 Hektar und beinhaltet neben verschiedenen Seen, Wasserfällen, Brücken und Teehäusern auch den ersten Springbrunnen Japans.


 

CIMG1428

Kawabata Sengyoten

Reisen heißt in Japan vor allem Essen. Und unter der Reiseleitung von Haruka ist die Wahl des richtigen Restaurants von fundamentaler Wichtigkeit. Bereits in Deutschland hat sie sich über die lokalen Angebote informiert und einen Tisch reserviert. Ihre Wahl fiel auf Kawabata Sengyoten, ein Restaurant das sich auf fangfrischen Fisch spezialisiert hat. Bereits im Eingangsbereich wird man von einem Thunfischkopf auf Eis begrüßt. Das Restaurant selbst kommt unkompliziert und sehr sympathisch daher. Überall an den Wänden hängen Hinweise, dass man hier keine Lust auf eilige Gäste hat – für deutsche Gäste völlig nachvollziehbar, für viele Japaner ein kleiner Affront, der im Internet prompt Kritik über den Service ausgelöst hat.

CIMG1431

Das Maskottchen des Ladens ist sein Besitzer: Ein rundlicher Herr um die vierzig mit Fischmütze, der die Speisekarten und Wände des Lokals ziert und dessen Gesicht sogar auf einer pinkelnden Statue vor der Herrentoilette angebracht ist. Er scheint, entgegen der Kritik am Service, überall gleichzeitig zu sein und erklärt auch im größten Gedränge geduldig die Zubereitung des Essens. Das ist toll, denn neben Sashimi und Sushi kann man sich auch über großen Steinguttöpfen am eigen Tisch Fisch und Meeresfrüchte grillen, was einiges an Expertise erfordert. Da ist man für jeden Rat dankbar! Nicht nur das Essen, sondern auch die Atmosphäre gefallen uns sehr gut.


 

CIMG1444

Omicho Markt 

Der Omicho Markt ist eine riesige überdachte Einkaufsstraße voller Fische, Meeresfrüchte, Obst und Gemüse. Besonders frische Krebse gehören zu den lokalen Spezialitäten aber auch sonst findet man zahlreiche Speisen, an die man sonst nur selten kommt.


 

CIMG1476

Higashiyama Chaya

Ein Bummel durch das Higashiyama Chaya Viertel schließt unseren Aufenthalt ab. Hier sind viele Geisha-Häuser aus der Edo-Zeit erhalten, die allesamt direkt aus einem Samuraifilm entsprungen sein könnten.

Mittlerweile sind wir schon wieder im Zug auf dem Weg zu unserer nächsten Etappe. In ungefähr einer halben Stunde erreichen wir Hiroshima, wo wir die nächsten drei Tage mit Harukas Familie verbringen werden.

3 thoughts on “Kanazawa 26. – 27. 2. 2016

  1. 国境の長いトンネルを抜けると、雪国であった。 ; )

    Jetzt bin ich in Stimmung und neidvoll lechze ich nach mehr! Wie schön, dass wir von zu Hause aus euere Reise so begleiten können, ich freue mich auf den nächsten Bericht!

    1. Der gute Soseki wusste schon, was er da schreibt! Das war tatsächlich ein unfreiwilliges Zitat meinerseits, denn genau so hat es sich zugetragen.

      Im übrigen hätten wir wirklich große Lust gemeinsam mit Euch hier einen drauf zu machen! Aber mit Isakaya, Karaoke und allem drum und dran.

      1. Was sind wir nur für Nerds! ; )

        Du kannst dir ja nicht vorstellen wie gerne ich… Unsinn, natürlich kannst du!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.